Archiv der Kategorie: Eventblick

Embrace change, work iterative: Der #BOSCHCreatorsClub arbeitet agil.

Die Gestaltung  jährlich stattfindender, interner Events auf Führungsebene weltweit – das war der Aufhänger für die  Zusammenarbeit zwischen der Robert BOSCH GmbH und der Hochschule für Internationales Management in Heidelberg. In ersten Gesprächen, die ich  mit dem Verantwortlichen Volker Borkhart bei Bosch führte, entwickelten wir schnell die  Idee, die Frage konkret in einem Studienprojekt auf Level 3 im Studiengang Eventmanagement an der #HIM umzusetzen. Am 05. Februar startete die Projektgruppe mit der Robert Bosch GmbH in einem agilen Projekt, verankert im Modul Meeting and Trade Fair Management.

Was ist agiles Arbeiten?

Dazu gab uns Dr. Jörg Jockel von Bosch eine sehr anschauliche Einführung. Ich will einige wichtige Aspekte (wenn auch sehr unvollständig) daraus  aufgreifen, vor allem mit Blick auf die Anwendung in der Lehre. Begriffe wie early  delivery of business value, iteratives Arbeiten, selbstorganisierte Teamstrukturen, weniger Bürokratie standen im Raum. In der Welt des agilen Arbeitens wird der Erkenntnis begegnet, dass Projektteams in Kundenprojekten dazu neigen, „Dinge“ – sei es nun Software oder Produkte oder  Technologien –  zu komplex zu entwickeln. Am Ende des Projektes  ist viel Zeit vergangenen, der Kundenanspruch hat sich während der Projektzeit bereits weiterentwickelt und verändert,  Unvorhergesehene Entwicklungen und Anforderungen  haben Zeit, Ressourcen und Geld in Anspruch genommen, die Qualität der gelieferten Outputs leidet, Unzufriedenheit  steht im Raum. Nicht wenige Projekte scheitern. 70 % aus Kosten- und Zeitgründen (Standish Group (no date)). Das Risiko des klassischen Projektmanagements wächst mit der Komplexität des zu lösenden Projektauftrags, u.a. weil der Business Value am Ende des Projektes steht.

Embrace change, work iterative – so lautet eine der Antworten des agilen Arbeitens. Das bedeutet, dass agile Projektteams sich methodisch verankert regelmäßig der Frage stellen, welche Veränderungen aus Kundensicht gebraucht werden und wie diese effektiv in den Projektfortgang adaptiert werden können – unter der Prämisse, nicht alles von Anfang an richtig machen zu müssen.

Agiles Arbeiten bricht mit den herkömmlichen Konventionen des klassischen  Projektmanagements. Business Value im Sinne von Kundennutzen,  wird iterativ in kleinen Schritten generiert und sofort an den Kunden ausgeliefert. Dazu organisiert sich das Projektteam in Sprints.  Das sind in der Regel 14 Tages Zeitfenster, in denen sich das Team flexibel in thematischen Schwerpunkten organisiert. Ausgehend von einem Mission Statement werden Epics, das sind Geschichten aus Kundensicht, formuliert, die in einzelne User Stories runter gebrochen werden. Unsere User Stories sind entsprechend immer aus Kundensicht formuliert und folgen dem immer gleichen Aufbau: As a (type of user), I want (some goal) so that (some reason).

Jedes Teammitglied arbeitet ausschließlich an festgelegten User Stories. Pro Sprint können je nach Umfang eine oder auch mehrere User Stories bearbeitet und gelöst werden. Nach 14 Tagen trifft man sich mit dem Kunden, z.B. per WebEx Telefonkonferenz, liefert die generierten Erkenntnisse und diskutiert diese gezielt mit dem Kunden. Am Ende der Telefonkonferenz stehen die nächsten Ziele, User Stories werden festgeschrieben und die Projektgruppe setzt zum nächsten Sprint an.

Schon nach den ersten Teamsitzungen wurde mir klar, dass diese Arbeitsweise sich extrem gut für die Anwendung in der Lehre eignet. Indem die Studierenden gezwungen werden, die große Aufgabe – oder wie ich es auch gerne ausdrücke „den Elefanten“ –   in kleine Stücke zu zerlegen, diese in konkrete User Stories aus Kundensicht zu formulieren, arbeitet jeder einzelne und die Gruppe als Ganzes sehr konkret an Lösungen, die aus Kundensicht sofort Nutzen generieren. Das Team der Studierenden hat innerhalb kurzer Zeit viel Geschwindigkeit aufgenommen. Alle Arbeitsdokumente und Ergebnisse werden in einem für alle zugänglichen eigenen Online-Wiki dokumentiert (wir arbeiten mit PBworks). Der Wissenszuwachs ist enorm.

Am Mittwoch dem 25. Februar endete unser erster Sprint  in einer Telefonkonferenz mit Bosch.  Unsere ersten Ergebnisse wurden vorgestellt, Feedback dazu vom Kunden eingeholt  und die nächsten Ziele für den kommenden Sprint festgelegt. Nächster Sprint.

Susanne Doppler, Professorin für Eventmanagement an der #HIM in Heidelberg

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#fbm14 – 66. Buchmesse in Frankfurt

Von Susanne Doppler, Professorin für Eventmanagement an der HIMH

Die Frankfurter Buchmesse ist nicht nur eine der bedeutendsten Buchmessen, sondern mit über 7.000 Ausstellern auch eine der größten Messen weltweit.

Ein Besuch der Buchmesse ist immer auch ein Bekenntnis: Ja, ich liebe Bücher. Ich finde es aufregend, kilometerlang durch Bücherwände zu streifen, Titel, Satzfetzen, Bilder, Layouts, die von den Covers in mein Blickfeld springen. Hier ein alter Bekannter, dort ein neues spannendes Thema.

Die Buchmesse –  das sind Menschen, Bücher und Gespräche. Der jährliche Treff aller, über die geschrieben wird, über die man spricht in der Szene, die man sonst nur in den Feuilletons der großen Zeitungen „trifft“, deren Fotos man aus den Klappentexten ihrer Werke kennt. Autoren, ihre Leser aber auch Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

In diesem Jahr zum Beispiel Helmut Kohl und seine Frau Maike Kohl-Richter. Dessen früherer Ghostwriter und Autobiograph Heribert Schwan und sein Co-Autor Tilman Jens gaben kurz vor der Eröffnung der Buchmesse den Enthüllungsroman vermarkteten Titel  „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“ auf den Markt. Die Wellen der öffentlichen Diskussion schlagen bis heute hoch – denn die Publikation der dem Werk zugrunde liegenden Gesprächsprotokolle ist strittig.  Auf dem Stand der F.A.Z. komme ich gerade rechtzeitig dazu, als der Journalist Jörg Magenau und Autor des Ende August erschienenen Buches „Schmidt – Lenz. Die Geschichte einer Freundschaft“ vorstellt. Jörg Magenau war – abgesehen von der Familie – einer der letzten, die mit dem Anfang Oktober verstorbenen großen deutschen Schriftsteller Siegfried Lenz gesprochen haben. Seine Darstellung der beiden Gespräche mit Sigfried Lenz und Helmut Schmidt angesichts des Todes von Siegfried Lenz umso berührender. Die Zuhörer, dicht gedrängt, hängen an seinen Lippen. Solche Momente kann nur das Leben inszenieren. Auch das ist Buchmesse. Ein paar Schritte weiter ist Autoren Signierstunde. Ein Kinderbuch-Zeichner signiert mit echten kleinen Handzeichnungen geduldig Exemplar für Exemplar. Die Schlange ist lang

In den Hallen 3 und 4, wo die großen Verlage versammelt sind, bin ich neben diesen überraschenden Momenten auch auf der Suche nach außergewöhnlichen Standkonzepten. Die großen Verlage verfolgen alle ein ähnliches Prinzip. Die Besuchergänge werden durch die Stände geführt, rechts und links der Gänge Bücherregale, oft gefasst mit schwarz-weiß Fotos der berühmtesten Autoren, deren Werke  im Verlag erscheinen. Standard-Stände, meist  weiß. Sieht gut aus und verfolgt ein einfaches Prinzip: Wir verkaufen Bücher. Wir zeigen Bücher. In einer Inszenierung, wie wir sie kennen: In Regalen stehenden. Mal ehrlich: viel Neues ist da nicht dabei.

Dabei bieten Messe eine ganz große Chance: Das Temporäre im Design und in der Architektur ist oftmals Vorreiter für permanente Konzepte der Gestaltung. Dieses kurze Zeitfenster einer Messe, in der temporäre, ja künstliche Erlebniswelten und Realitäten geschaffen werden, kann wirklich Neues ausprobieren. Diese Chance, diese innovative Kraft hat die Buchmesse meines Erachtens versäumt.

Mein persönliches Highlight ist dann aber doch einer dieser klassischen Verlagsstände: Der S. Fischer Verlag präsentiert sich zwar im gleichen Konzept: Raum – Wand – Regal – Buch – Sitzgelegenheit. Aber zumindest in der Material- und Farbwelt und der geschaffenen Atmosphäre unterscheidet sich der Stand vom gros der Aussteller: Der Stand erscheint mir in leichter Überhöhe (?), die Wände in nackter Betonoptik, das Interieur ansonsten minimalistisch, braun. Ganze Regalwände widmen sich einem Autor. Zum Beispiel der Literaturnobelpreisträgerin 2013: Alice Munroe, deren Werk mich persönlich sehr beeindruckt. In der Gesamtatmosphäre wirkt das Ganze wie ein sehr edler, schöner Buchladen. Sehr wertig in der Atmosphäre, zum Schmökern, zum Gespräch und eintauchen einladend. Sehr cool. Mit dem Fachblick der Eventmanagerin interpretiere ich hier auch ein bewusstes Statement, eine Abkehr vom Digitalen.

Wobei ich bei meinem dritten Punkt bin: ich bin erstaunt, wie wenig das Digitale auf den Präsentationsflächen der großen Verlage stattfindet. Versäumen es die großen Verlage hier eine Antwort zu geben?  Einzig in Halle 3 die neu eingerichtete „Self-Publishing Area“ lässt vermuten, dass der Maarkt in Bewegung ist. Auch Sascha Lobo meldet sich mit einem eigenen Stand zu Wort und stellt mit seinem  Social-Media-Verlag  „sobooks“ sein Gegenkonzept zu amazon vor – eine Kampfansage wie er selbst sagt.

Trotz allem: die Buchmesse bleibt für mich eines der Messe Highlights im Messejahr. Sie ist authentisch. Hier wird gelebt, was Veranstaltungen und Events sein sollten und gerade die großen Messen oft nicht schaffen: Einen Treffpunkt schaffen. Für alle Akteure, Menschen, die sich zusammen tun zu  lebendigem und kontroversen Austausch, beliebte BestsellerautorInnen, echte Geschichten, und das alles hautnah.

Persönlich habe ich von der Messe für Sie die Frage mitgebracht, wie denn ein innovatives, temporäres Präsentationskonzept für Bücher  aussehen könnte. Wir werden in den Lehrveranstaltungen Event Operation und Eventinszenierung darüber diskutieren.

Prof. Dr. Susanne Doppler

http://www.himh.de | twitter: @SusanneDoppler