#dieMannheimerAdler

Die Inszenierung bis Spielbeginn
– Lass dich mitreißen

Ein Artikel von Helena Keller, Studentin an der Hochschule für Internationales Management, Heidelberg

Freitag, der 20. März 2015 gegen 17 Uhr – Ich begebe mich zur SAP Arena, wo gegen 19 Uhr die Mannheimer Adler gegen die Thomas Sabo Ice Tigers spielen werden.

Bei einem Spiel der Adler handelt es sich um ein Event, welches jeder schon einmal miterlebt haben muss, ob Eishockey-Begeisterter oder nicht. Die Inszenierung bis zum Spielbeginn fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, denn alles ist bis aufs kleinste Detail geplant und macht Sinn. Der Teilnehmer wird durchgehend auf einem Spannungslevel gehalten, wie ich sonst noch bei keinem Sport-Event so erlebt habe.

Begleite mich noch einmal durch den Ablauf des Abends:

  • 15 Minuten vor Spielbeginn:
    Das Licht geht aus: man weiß nicht, was mit einem geschieht. Es wird gefährlich klingende Musik eingespielt, welche die Spannung steigen lässt. Es ist bald soweit: das Spiel beginnt in nur wenigen Minuten.

 

  • 9 Minuten vor Spielbeginn:
    Das Logo der Mannheimer Adler, ein Weißkopfadler, kreist im Stadion herum, ähnlich wie das allseits bekannte „Batman Symbol“ (Siehe Bilder). Man folgt dem Scheinwerfer automatisch mit seinen Blicken und ist gefesselt. In Verbindung mit der dramatischen Musik von Major Tom – „Völlig Losgelöst“ von der Erde im Hintergrund fühlt man sich als Zuschauer wie in einer Verfolgungsjagd. Der Puls steigt, die übrigen Zuschauer sind gespannt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird bestärkt, besonders durch die Synchrongesänge. Wer bis jetzt noch nicht Feuer und Flamme war, ist es spätestens jetzt.

Abbildung 1: Mannheimer Adler Logo http://www.eishockey-online.com/images/stories/Logos_gross/mannheim.jpg [accessed: 25.04.2015]
Abbildung 1: Mannheimer Adler Logo
http://www.eishockey-online.com/images/stories/Logos_gross/mannheim.jpg [accessed: 25.04.2015]
Abbildung 2: Batman Symbol http://hdscreen.me/wallpaper/2796989-Batman-Logo-comics-light [accessed: 25.04.2015]
Abbildung 2: Batman Symbol
http://hdscreen.me/wallpaper/2796989-Batman-Logo-comics-light [accessed: 25.04.2015]
 

  • 7 Minuten vor Beginn:
    Um das vorher aufgebaute Zusammengehörigkeitsgefühl noch mehr zu bestärken wird ein Videoausschnitt über die Geschichte des MERC (Mannheimer Eishockey und Rollschuh Club) eingespielt, dass die Zuschauer ruhiger werden lässt. Der Film ist mit „historischer“ Musik untermauert und man fühlt praktisch den Stolz der Zuschauer.

Die Emotionen, die hier ausgelöst werden führen zu Gänsehaut.

So höre ich in meiner unmittelbaren Umgebung Aussagen wie „Es läuft mir eiskalt den Rücken hinunter!“ oder auch weniger qualifizierte Beiträge wie „Boah, wie geil!“

Nach dem Kurzfilm verdunkelt sich die Arena wieder, die Fangesänge werden wieder aufgenommen.

 

  • 5 Minuten vor Spielbeginn:

Plötzlich wird die Leinwand eingeschaltet: Die Moderatoren sagen den Vornamen der Spieler an, die Menge schreit den Nachnamen zurück. So geht es bis alle angesagt wurden. Untermauert wird die Aktion durch dramatische Jingles.

Eine bedrohliche Atmosphäre wird aufgebaut durch schwarz-weiße Bilder und ernste Gesichter der Eishockey-Spieler, oft auch in Verbindung mit verschränkten Armen. Sie sind entschlossen, bereit und gefährlich.

Es wird geklatscht, getrommelt und gejubelt. Die Besucher wissen genau: Bald geht es los.

Die Jugend des MERC läuft ein, wieder einmal findet man das Schlüsselelement der Dramaturgie: dramatische Musik und Lichtvariierung.

Der Höhepunkt dieser Aktion: bei Musikende schwärmen sie aus und formieren sich.

 

  • 3 Minuten vor Spielbeginn:

Erneut wird ein Trailer eingespielt, diesmal allerdings über die gegenwärtige Zeit und die erreichten Titel. Der Kurzfilm erinnert mich ein wenig an Tomorrowland, dem bekannten Musikfestival. Viele Menschen, Emotionen, vor allem in ihren Gesichtern, sind zu sehen. Hoffnung blitzt in ihren Augen auf. Man wird gefesselt von diesem Anblick. Gänsehaut ist nicht zu vermeiden. Getoppt wird dieses Gefühl durch Interviews von Menschen, die starke Wörter benutzen wie „Wir“, „Zuversicht“, „Sieg“. Wenn ich mich umschaue sehe ich die stolzen und gebannten Gesichter der anderen Zuschauer.

Das absolute Highlight stellt die Endsequenz des Kurzfilms dar, als gesagt wird: „Mannheim schreibt Eishockey-Geschichte!“

Von nun an hört man nur noch tosende Meuten und Fangesänge. Ich höre „Adler Mannheim olé“ und „Nur der MERC!“.

Erneut wird die ganze Arena verdunkelt, ein Adler schreit: dies ist die Schlüsselsequenz des Abends, worauf alle Zuschauer gewartet haben. Plötzlich öffnet sich ein Tor: Rauch, Nebel, gefährliche Musik, Spannung, Aufregung: die Adler laufen ein, die absoluten Helden des Abends.

Die Fans sind nicht mehr aufzuhalten, ich kann meine eigenen Gedanken nicht einmal mehr hören.

Nebenbei wird noch der gegnerische Verein vorgestellt, doch es hat den Anschein, dass das Niemanden so recht interessiert. Der Fokus liegt auf den Mannheimer Adlern.

 

  • Spielbeginn:

Auffallend ist, dass egal ob die Adler absichtlich ein Foul machen oder nicht: die Menge tobt und ist sich keiner Schuld seiner Spieler bewusst. Das Spiel verläuft alles andere als ruhig, wie gewohnt. Köpfe werden gegen Banden gehauen, Stöcke werden auf Rücken geschlagen. Das ist Eishockey.

 

  • Besonderes an dem Spiel:

Etwas, das mir besonders gut gefallen hat, allerdings weniger mit dem Sport zu tun hatte: während der Halbzeiten wurde eine „Adler Social Wall“ auf den Bildschirmen eingespielt, wo Instagram/Facebook/Twitter-Beiträge von Fans veröffentlicht wurden, wenn sie einen bestimmten Hashtag benutzten. #MannheimerAdler

 

  • Die Spannung:

A: Das konstante Level der Spannung während der Inszenierung: Die Spannung wird nie abgebaut, sondern dauernd wieder aufgebaut.
Letztendlich gelöst wird diese durch das Einlaufen der Eishockey-Helden, wobei genau das den Höhepunkt der Inszenierung darstellt: B.

Spannungsbogen

Ein Höhepunkt wird laut P. Kandorfer(2010) als einzige richtig wahrgenommen und verarbeitet. Es ist also dieses gänsehauterzeugende Einlaufen der Mannschaft, das im Gedächtnis bleibt. Alle vorhergehenden Aktionen arbeiten also genau auf diesen Augenblick hin und schaffen einen Spannungsaufbau.

Die Spannungserzeugung erfolgt durch Überraschung/Erregung (P. Kandorfer, 2010), siehe beispielsweise die ständige Lichttechnik und dramatisch musikalische Untermalung, denn „Gegensätze erzeugen einen Rhythmus aus Anspannung und Entspannung“ (Doppler, 2015).

Man könnte die Inszenierung als Epik, also Erzählung nach Schäfer-Mehdi (2009) einstufen. Stark ausgeprägt ist die Heldengeschichte.

 

Quellen:

  • Kandorfer, 2010 „Lehrbuch der Filmgestaltung“ (Schiel & Schön Verlag)
  • Schäfer-Mehdi, 2009 “Event-Marketing” (Berlin, Cornelsen, 3. Auflage)
  • Eigene Recherche
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s