Laser – Das Inszenierungstool von morgen

von Christian Parsche, Student an der Hochschule für Internationales Management Heidelberg

Licht ist nicht Alles, aber ohne Licht ist Alles Nichts. Ohne Licht ist alles anders. Materie könnte in der Form, wie wir sie kennen, nicht bestehen. Deshalb ist Licht nicht nur ein fundamentaler Teil unseres Lebens, sondern auch einer Veranstaltung.

Der Moment, wenn sich im Theatersaal die Lichter verdunkeln und plötzlich eine knisternde Stille herrscht, hatte schon immer etwas magisches. Weil man nicht weiß, was als nächstes kommt und schon im Inneren darauf wartet, begeistert zu werden. Als Besucher der diesjährigen Prolight & Sound haben mich nach dieser anfänglichen Dunkelheit vor Allem die Laser begeistert. Scheinbar unendliche Strahlen durchzogen zum Teil die gesamte Messehalle in subtiler Klarheit und berauschender Geschwindigkeit.

Aber wie wird dieser Lichtstrahl so stark gebündelt und woher kommt diese Energie?

Um das zu verstehen schauen wir uns zunächst an, welche unterschiedlichen Scheinwerferarten es in der #Lichttechnik gibt. Sie werden grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt: Bewegtes und nicht bewegtes Licht.

Scheinwerfer

Nicht bewegtes Licht

PAR-Scheinwerfer (parabolic aluminized reflector)

Dieser Scheinwerfer ist der Klassiker unter den Lichtern und gehört zu den Urgesteinen der Lichttechnik. Selbst im heutigen Zeitalter der bewegten Lichter kommt dieser Scheinwerfer immer noch auf der Bühne zum Einsatz. Der Name kommt von dem Parabolspiegel, der hinter dem Leuchtmittel plaziert ist und die Strahlen nach vorn gerichtet austreten lässt. Den Scheinwerfer gibt es in unterschiedlichen Größen, welche durch den Durchmesser der Lichtaustrittsfläche in Achtelzoll notiert werden. Häufig sind PAR 64 und PAR 56, um großflächig auszuleuchten, sowie PAR 36 als Punktstrahler.

Linsenscheinwerfer

Dieser unterscheidet sich zum PAR-Scheinwerfer durch eine Linse, die vor der Austrittsöffnung plaziert wird, um einen scharfen Lichtkegel (beam) zu erzeugen. Dabei ist das Leuchtmittel auf einem beweglichen Sockel montiert, um den Brennpunkt der Lichtstrahlen zu verschieben. Linsenscheinwerfer werden häufig in Theater in Kombination mit einer Torblende eingesetzt. (siehe Bild)

Linsenscheinwerfer mit Torblende

Bewegtes Licht

Moving Head & Scanner

Der Begriff Moving Head kommt aus dem englischen und bedeutet „Bewegter Kopf“. Der Name kommt daher, dass sich das Leuchtmittel im Kopf der Lampe befindet und sich mit ihr dreht. Dieses Leuchtmittel wird auch Spot genannt und ist mit einer Linse ausgestattet, um das projizieren von scharfen Bildern zu ermöglichen.

Moving_Head_Zeichnung
Quelle: Wikipedia (no date)

Hinter den Spot sind meist noch Farb- und Goboräder, eine Blende und eine Focus-Linse eingebaut. Die Farbräder bestehen aus gefärbten Glasscheiben, welche sich in den Strahlengang schwenken lassen. Sind mehrere Farbräder vorhanden, können auch Farben gemischt werden. Mithilfe des Goborads lassen sich Gobos in den Strahlengang einschieben. Gobos sind hitzefeste, dauerbeständige Projektionsscheiben, die ähnlich wie ein Dia in einen Projektor eingeschoben werden. Mithilfe der Blende lässt sich der Lichtkegel zuschneiden und der Beam des Lichtes vergrößern oder verkleinern. (Wikipedia (no date))

Moving Heads sind im Aufbau ähnlich wie Scanner, mit dem Unterschied, dass bei dem Scanner der Lichtkegel durch einen Spiegel bewegt wird und sich bei dem Moving Head die gesamte Lampe bewegt. Beide Systeme haben ihre Vor und Nachteile. Einerseits ist durch den Spiegel des Scanners eine sehr schnelle Bewegung des Lichtkegels möglich, andererseits kann der Lichtstrahl hier nur in einem begrenzten Raum gelenkt werden.

Alphanet-Bochum (no date)

Nachdem nun die Grundlagen der Lichttechnik bekannt sind, können wir einen Blick darauf werfen, wie sich Laser von anderen Scheinwerfern unterscheiden.

Laser

Laser sind gebündelte Energiewellen mit der selben Amplitude und Phase, welche in die gleiche Richtung fließen. Sie sind kohärent – sie bleiben zusammen und bilden einen Laserstrahl. Die Breite einer solchen Welle wird in Nanometern gemessen und definiert die Farbe sowie Sichtbarkeit eines Laserstrahles.

Quelle: Brillen und Sehhilfen (no date)

Standardgemäß nutzen analoge Laser die drei Primärfarben Rot, Grün und Blau. Durch mischen der Farben können somit fast alle Sekundärfarben erzeugt werden.

Sichtbar werden die Laserstrahlen durch Wasser- und Staubpartikel in der Luft, die der Laserstrahl auf seinem Weg trifft. Deswegen nutzen Veranstaltungstechniker Haze- oder Nebelmaschinen, um die Laser sichtbar zu machen. Bei einer Open-Air Veranstaltung reflektiert der Laserstrahl größtenteils von Staub und Wasserpartikel in der Luft, jedoch kann durch unvorhersehbare Wetterbedingungen nie sichergestellt werden, dass Nebelmaschinen hier den gewünschten Effekt hervorrufen. Deswegen werden bei solchen Veranstaltungen Hochleistungslaser verwendet, um dem Mangel an Staub, Dunst und Nebel gerecht zu werden.

Ein modernes Lasersystem besteht im Grunde aus 7 Teilen:

  • Laserquelle
  • Scanning-System
  • Stromversorgungsgerät
  • Treiber
  • Sicherheitstechnik
  • optische Komponenten
  • Transistoren, Kabel, Sicherungen und viele Kleinteile

Um nun atemberaubende Lasershows in den Nacht- oder Veranstaltungshimmel zu zaubern, ist es wichtig zu verstehen, wie das Scanning-System funktioniert.

Dieses besteht in erster Linie aus zwei kleinen Spiegeln, die den Laserstrahl auf der X und Y-Achse bewegen. In Zusammenarbeit können sie den Laser in jede beliebige Vorwärtsrichtung lenken. Sobald ein Laserstrahl mehr als 20 mal pro Sekunde bewegt (Neudeutsch: gescanned) wird, nimmt es das menschliche Auge als feststehendes Objekt wahr.

Das heißt, dass jede Form, die von einem Laser gezeichnet wird, eigentlich nur aus einem einzigen Laserstrahl besteht, der unglaublich schnell bewegt wird. Dabei kommt jedes Scanning-System an ein mechanisches Limit, wie viele Punkte es zu einem Zeitpunkt darstellen kann. Dieses Limit wird in ‚Points per Second‘ (pps) angegeben.

scanning-system
Scanning-System, Quelle: Kvant (no date)

Je nach Wetterbedingungen und Leistung der Laser können die Laserstrahlen kilometerweit sichtbar sein. Deswegen ist bei der Verwendung von Lasern eine erhöhte Vorsicht geboten, um vor allem bei Outdoor-Events keine Flugzeuge zu blenden. Durch den konzentrierten Lichtstrahl können zwar atemberaubende Effekte erzeugt werden, jedoch bedeutet dies auch, dass die gesamte Energie gebündelt in eine Richtung läuft. Dadurch kann das Laserlicht bei direkter Betrachtung sehr gefährlich für das Auge werden. Aus diesem Grund ist Lasersicherheit unabdingbar und sollte vor jedem Event geprüft werden.


#Laser als Inszenierungstool

Ein Laser hat im Gegensatz zu herkömmlichen Scheinwerfern den Vorteil, dass dieser die Lichtenergie gebündelt in eine Richtung abgeben kann und somit ein sehr klaren Lichtstrahl erzeugt. Somit ist es möglich, bei Veranstaltungen mit Hilfe des Laserlichts Wände in die Luft zu bauen oder Netze aus Lichtkegeln zu spannen, wo eigentlich gar keine sind. Diese mächtigen Gebilde in der Luft wirken beeindruckend auf das Publikum, da gerade über ihren Köpfen ein neues Bühnenbild entsteht. Im Zusammenspiel mit gezieltem Einsatz von Nebelmaschinen ergibt dies ein atemberaubendes Bild.

Quelle: Laserperformance (no date)

Grundsätzlich kann man Laser in drei verschiedenen Arten einsetzen:

Einsatz von Lasern

Ein Laser als Effektquelle sollte jedem bekannt sein, der in den letzten Jahren eine Veranstaltung oder Diskothek besucht hat. Durch die schnelle Bewegung der Laserstrahlen wird versucht, besonders beeindruckende Formen in den Himmel zu zeichnen.

Bei der Bildprojektion wird es schon spannender. Hier versucht man textliche oder grafische Inhalte auf einer Projektionsfläche, oder sogar als Hologramm darzustellen. Um letzteren Effekt zu erreichen, ist der gezielte Einsatz von Nebelschwaden und unterschiedlich starken Lasern notwendig.

Durch Interaktion wird das Licht mit in die Inszenierung eingebunden und beeinflusst Prozesse auf der Bühne. In der obenstehenden Grafik ist eine Laserharfe zu sehen, welche durch Unterbrechung der Lichtstrahlen einen Ton abgibt. Auf der #Prolight & Sound wurden bei einer Lasershow der Firma #Kvandt interaktiv die Elemente Tanz und Laser zusammengebracht. Die Tänzer scheinen die Laserstrahlen mit Gesten und Bewegungen zu steuern, wodurch eine sehr beeindruckende Inszenierung entsteht.

Dabei wird mithilfe eines Projektors ein grauer Wolkenhimmel an die Rückwand der Bühne projiziert, man hört Donnergrollen, gefolgt von einem hellen Laserblitz. Als die ersten Regentropfen zu hören sind, rauschen kleine blaue Laserstrahlen an der Rückwand der Bühne zu Boden, deren Lichtstrahlen durch den Nebel die Illusion erwecken, dass es tatsächlich regnet. Für mich war dies ein gelungener Einsatz von Lasern, fernab von den bunten Lasershows der 2000er Technopartys.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die #Lichttechnik uns als Eventmanager bei Veranstaltungen immer ein treuer Begleiter bleiben wird. Dabei ist es wichtig, die Qualität statt Quantität im Auge zu behalten, um eine erfolgreiche Inszenierung durchführen zu können.


Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

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